Gefahrgut-Sendung
Gefahrgut-Sendung
Gefahrgut (Dangerous Goods, ADR) erfordert korrekte UN-Nummer, ADR-Klasse, Verpackungsangaben und Begleitpapiere. Fehlen oder stimmen Angaben nicht, lehnt DPD die Sendung ab – im schlimmsten Fall drohen bei falscher Deklaration Bußgelder. Nehmen Sie die folgenden Schritte ernst und lassen Sie Ihre Gefahrgutbeauftragten die Stammdaten prüfen.
Was ist Gefahrgut – kurz erklärt
Gefahrgut sind Stoffe und Gegenstände, von denen beim Transport Gefahren für Mensch und Umwelt ausgehen können (z. B. entzündbare Flüssigkeiten, Batterien, Druckgaspackungen). Der Transport ist durch das ADR (Europäisches Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße) geregelt. Jeder gefährliche Stoff hat eine eindeutige UN-Nummer (vierstellig) und ist einer Gefahrgutklasse zugeordnet.
Der DPD Connector bildet diese Angaben in Business Central ab und übermittelt sie beim Upload automatisch als Gefahrgut-Block an DPD. Sie pflegen die Werte einmal als Stammdaten am Artikel bzw. in den Gefahrgut-Stammdaten – bei jeder Sendung werden sie dann vorgeschlagen.
Die wichtigsten Begriffe
UN-Nummer
Vierstellige Kennnummer des Stoffes (z. B. UN 1263 für Farbe).
Gefahrgutklasse
Hauptgefahr, z. B. Klasse 3 = entzündbare Flüssigkeiten, Klasse 9 = verschiedene gefährliche Stoffe (u. a. Lithiumbatterien).
Verpackungsgruppe (VG/PG)
Gefährlichkeitsgrad: I = hoch, II = mittel, III = gering.
Faktor
ADR-Multiplikator zur Berechnung der Beförderungspunkte.
Punkte
Faktor × Gefahrgutgewicht – begrenzt die Freigrenze (1.000-Punkte-Regel).
LQ (Limited Quantities)
Begrenzte Mengen; erleichterte Vorschriften für kleine Verpackungseinheiten.
Tunnelbeschränkungscode
Legt fest, durch welche Tunnelkategorien transportiert werden darf.
Voraussetzungen (einmalig)
Einmalig einrichten: Funktion Gefahrgut in der Konfiguration aktivieren und die Gefahrgut-Stammdaten befüllen (Standardliste anlegen oder die DPD-Substanzdatenbank importieren).
1. Angaben am Artikel
Öffnen Sie den betroffenen Artikel und pflegen Sie im DPD-Bereich (Artikel-Einrichtung):
Gefahrgut (DPD Is Hazardous)
Kennzeichnet den Artikel als Gefahrgut.
Ja
UN-Nummer (DPD Hazardous UN No)
Setzt automatisch „Gefahrgut = Ja" und zieht Klasse/VG aus den Stammdaten.
1263
DPD Verpackungscode (DPD Haz. Packing Code)
Verpackungsart nach ADR.
4G (Karton)
DPD Gefahrgutgewicht (kg/Stk.) (DPD Hazardous Weight)
Nettomenge Gefahrgut je Stück.
5,0
Limited Quantities (LQ) (DPD Is LQ)
Kennzeichnet LQ-fähige Artikel.
Nein
Tipp: Sobald Sie die UN-Nummer am Artikel eintragen, ergänzt Business Central Gefahrgutkennzeichen, Klasse, Verpackungsgruppe und Faktor automatisch aus den Gefahrgut-Stammdaten. Sie müssen diese Werte also nicht von Hand am Artikel pflegen.
2. Gefahrgutdaten je Sendung
Zu jedem Gefahrgutpaket gehört ein Gefahrgutdatensatz (Seite DPD Gefahrgut, Tabelle SOU DPD Hazardous Data). Er wird beim Erstellen des Pakets automatisch aus dem Artikel angelegt und lässt sich vor dem Versand prüfen und ergänzen:
UN-Nummer
✅ Pflicht
aus Artikel/Stammdaten
Klasse
✅ Pflicht
ADR-Gefahrgutklasse
Gefahrgutgewicht (kg)
✅ Pflicht
Menge × Gefahrgutgewicht/Stück
Faktor
✅ Pflicht
ADR-Faktor aus Stammdaten
Verpackungsgruppe
empfohlen
I / II / III
Verpackungscode
empfohlen
z. B. 4G, 1A1
Klassifizierungscode
optional
z. B. F1, C9
Tunnelbeschränkungscode
optional
z. B. D, E
Nebengefahr
optional
zusätzliche Gefahr
Nettoexplosivmasse (NEM)
optional
nur bei Explosivstoffen
Nicht anderweitig genannt (N.A.G.)
optional
für „n.a.g."-Eintragungen
Fehlen Gefahrgutgewicht oder Faktor, sendet der DPD Connector Sicherheits-Fallbacks (170 für das Gewicht, 50 für den Faktor). Diese Werte sind bewusst hoch, damit die Sendung nicht versehentlich unterdeklariert wird – prüfen Sie daher immer die realen Werte, statt sich auf die Fallbacks zu verlassen.
Beispiel 1: Farbe / Lack (UN 1263)
Das häufigste Praxisbeispiel – auch in den mitgelieferten Demo-Daten enthalten.
Situation: Sie versenden 1 Dose Lack (5 kg Nettoinhalt) im Karton.
So sieht der ausgefüllte Gefahrgutdatensatz aus:
UN-Nummer
1263
Beschreibung
FARBE
Klasse
3 (entzündbare Flüssigkeiten)
Verpackungsgruppe
II
Klassifizierungscode
F1
Verpackungscode
4G
Tunnelbeschränkungscode
D
Beförderungskategorie
2
Gefahrgutgewicht
5,0 kg
Faktor
3
Punkte
15 (= 5 × 3)
Beispiel 2: Lithium-Ionen-Batterien (UN 3480)
Situation: Versand loser Lithium-Ionen-Akkus (Klasse 9).
UN-Nummer
3480
Beschreibung
LITHIUM-IONEN-BATTERIEN
Klasse
9 (verschiedene gefährliche Stoffe)
Verpackungsgruppe
– (Klasse 9 ohne VG)
Verpackungscode
z. B. 4G
Gefahrgutgewicht
nach tatsächlichem Gewicht
Lithiumbatterien unterliegen Sondervorschriften (Ladezustand, Kurzschlusssicherung, Kennzeichnung). Klären Sie die zulässige Versandart mit Ihrem Gefahrgutbeauftragten – der DPD Connector übermittelt nur die deklarierten Daten.
Beispiel 3: Druckgaspackungen / Aerosole (UN 1950)
Situation: Spraydosen (Klasse 2.1, entzündbare Gase).
UN-Nummer
1950
Beschreibung
DRUCKGASPACKUNGEN
Klasse
2.1
Klassifizierungscode
5F
Aerosole sind häufig als LQ (begrenzte Menge) versandfähig – siehe unten.
LQ – Begrenzte Mengen (Limited Quantities)
Viele Gefahrgüter dürfen in kleinen Verpackungseinheiten als LQ mit erleichterten Vorschriften versendet werden.
Kennzeichnen Sie LQ-fähige Artikel mit Limited Quantities (LQ).
Smart Packing setzt am Paket automatisch das Kennzeichen LQ-Sendung, wenn LQ-Artikel enthalten sind.
Ob eine UN-Nummer LQ-fähig ist und bis zu welchem Gewicht, steuern in den Gefahrgut-Stammdaten die Felder LQ zulässig und Max. LQ-Gewicht.
Das LQ-Kennzeichen wird unabhängig vom übrigen Gefahrgut-Block an DPD gesendet.
Punkte & die 1.000-Punkte-Regel
Für den Straßentransport begrenzt das ADR die transportierbare Gefahrgutmenge über Beförderungspunkte:
Business Central berechnet die Punkte automatisch (Feld nicht editierbar). Der Faktor stammt aus den Stammdaten der jeweiligen UN-Nummer. Beispiel UN 1263 (Faktor 3): 5 kg ergeben 15 Punkte. Bleiben Sie unter der ADR-Freigrenze, gelten erleichterte Vorschriften (1.000-Punkte-Regel gemäß ADR 1.1.3.6).
Was an DPD übermittelt wird (Feld-Zuordnung)
Beim Upload erzeugt der DPD Connector aus dem ersten Gefahrgutdatensatz des Pakets den Gefahrgut-Block:
UN-Nummer
identificationUnNo
Klasse
identificationClass
Klassifizierungscode
classificationCode
Verpackungsgruppe
packingGroup
Verpackungscode
packingCode
Beschreibung
description
Nebengefahr
subsidiaryRisk
Tunnelbeschränkungscode
tunnelRestrictionCode
Gefahrgutgewicht
hazardousWeight
Nettoexplosivmasse
netWeight
Nicht anderweitig genannt
notOtherwiseSpecified
Faktor
factor
Paket-Kennzeichen „LQ-Sendung"
hazardousLimitedQuantities
Ein Gefahrgut je Paket: Enthält ein Paket mehrere verschiedene Gefahrgüter, übermittelt DPD nur den ersten Datensatz. Packen Sie unterschiedliche Gefahrgüter im Zweifel in getrennte Pakete.
Häufige Fehler
„Gefahrgut-Artikel im Auftrag – bitte Produkt ‚DPD Gefahrgut' (102) wählen"
Der Auftrag enthält als Gefahrgut markierte Artikel, es wurde aber ein Standardprodukt gewählt. Wählen Sie DPD Gefahrgut (bzw. DPD Gefahrgut Unfrei, SOCode 106).
„Keine Gefahrgutdaten für Beleg … gefunden"
Beim Druck des ADR-Dokuments existiert kein Gefahrgutdatensatz. Ursache ist meist ein fehlendes Gefahrgutkennzeichen am Artikel. Setzen Sie Gefahrgut = Ja bzw. die UN-Nummer am Artikel und erstellen Sie das Paket neu.
DPD lehnt die Sendung mit Gefahrgut-Fehler ab
Prüfen Sie UN-Nummer, Klasse, Gefahrgutgewicht und Faktor auf Plausibilität. Die genaue DPD-Antwort finden Sie im API-Aufruf-Protokoll.
Gewicht/Faktor stehen auf 170 bzw. 50
Das sind die Sicherheits-Fallbacks bei fehlenden Angaben. Tragen Sie das reale Gefahrgutgewicht und den korrekten Faktor ein (letzterer kommt automatisch aus den Stammdaten der UN-Nummer).
Verwandte Themen
Gefahrgut-Stammdaten – UN-Nummern pflegen und importieren
Artikel-Einrichtung – Gefahrgutfelder am Artikel
Datenmodell & Tabellen – Aufbau der Gefahrgut-Tabellen
Enum- & Options-Referenz – alle Klassen, Verpackungsgruppen und -codes
